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Johanna Varner: Cello Christofer Varner: Posaune, Didgeridoo, Shell, Totentrompete Die Varner & Varner CD ![]() Mittel und Wege Die Musik von Varner &Varner geht neue Wege, wiewohl sie auch aus historischen Quellen schöpft. Den Hörer erwartet ein abwechslungsreiches, um nicht zu sagen, weitgestreutes Programm: Vom Liedgut der Aborigines bis zu freien Improvisationen und Eigenkompositionen, vom Werk des Bach-Gefährten Karl Friedrich Abel bis zur Musik und Inspirationskraft von Thelonious Monk, vom geistigen Erbe des Westens bis zur Spiritualität des Ostens. Doch Johanna und Christofer Varner lassen die musikalische Reise durch die Geschichte und die Glaubenssysteme dieser Welt ganz natürlich, ja logisch erscheinen. So etwas spielt man nicht schnell mal eben ein: Die Musik mag unverbraucht und spontan klingen, doch sie entspringt den geteilten und gemeinsamen Erfahrungen aus über zwanzig Jahren musikalischer Zusammenarbeit. Als erstes drängt sich wohl die Frage auf, warum Posaune und Cello nicht öfter im Duett auftreten, warum dieses Gespann so unüblich ist. Da Cello und Posaune in ähnlichen Tonlagen „sprechen“, ist die Unerforschtheit dieser Kombination eigentlich merkwürdig. Jedenfalls kommt den Varners als Ehepaar, das auf Augenhöhe kreativ zusammen musiziert, ein Seltenheitswert zu, der dem Exotenstatus ihrer Instrumentierung durchaus Konkurrenz macht. Ein Vergnügen ist es allemal, sie Strukturen, Klänge und Ideen so eng verweben und dabei in jedem Sinne harmonieren zu hören. Am Anfang ihrer Arbeit gab es kein vorgezeichnetes Konzept, keinen Masterplan für die Integration von weltlicher und geistlicher Musik im Kontext heutiger, improvisierter Klangwelten. Das hier gebotene Repertoire ist das Kondensat nach und nach erworbener und einverleibter musikalischer Eindrücke. Von der ersten Begegnung an, berichtet Christofer, hätten sie einfach alles gespielt, was ihnen so zwischen die Finger kam; manchmal mit experimentellen Ambitionen, dann wieder nur zum Üben. Dabei kam Johanna eher aus der „klassischen“ Ecke, Christofer war mehr der „Jazzer“ – aber jeweils nicht ausschließlich. Noch bevor sie ihre Hochschulausbildung als Cellistin aufnahm, zeigte Johanna Varner aus München großes Interesse an zeitgenössischer Komposition und Improvisation. Bereits mit 14 gehörte sie Dieter Schnebels „Studio für Neue Musik“ an. Dann trat sie u.a. mit dem Münchner Kammerorchester und dem ICI Ensemble auf, einem Münchner Kollektiv von Jazz-Improvisatoren und -Komponisten, die als eigenständige Gruppe wie auch schon als Kammerensemble für „composer in residence“ wie Barry Guy, George Lewis und Giancarlo Schiaffini arbeiteten. In dieser Szene, beim ICI und seinen verschiedenen Workshops und Splittergruppen, habe ich die Varners zum ersten Mal gehört. Dass es sich bei beiden um talentierte Musiker handelte, stand außer Frage, doch ihr Spiel verriet, sehr ungewöhnlich für München, keine unmittelbar erkennbaren Einflüsse. Beide hatten ihren ganz eigenen Klang, und es war absolut nichts Provinzielles in ihrer Musik. Über die ICI-Projekte haben sich seitdem einige Kontakte ergeben. So spielt Johanna jetzt in einem Trio mit der amerikanischen Geigerin Mary Oliver, einer Weggefährtin von George Lewis, und dem Gitarristen Gunnar Geisse. Noch andere Projekte stehen in Planung, wie ein Doppel-Duo mit Barry Guy und Maya Homburer. Christofer hat mit Guy und Freunden bereits in England und Irland zusammengearbeitet. Seine Erfahrungen in Großbritannien führten ihn zudem in eine enge Kooperation mit Phil Durrant, seines Zeichens Geiger und elektronischer Musiker, der die Klänge der Varners in einem denkwürdigen gemeinsamen Münchner Konzert in Echtzeit weiterverarbeitete. Christofer Varner, geboren in Salt Lake City, wuchs in Stuttgart auf. An der Posaune unterrichteten ihn unter anderen der große Jimmy Knepper, Posaunist von einigen der begnadetsten Formationen des legendären Charles Mingus, und Bobby Burgess, der bei Stan Kenton und Woody Herman spielte. Bigbands und Jazz-Combos bildeten einen Schwerpunkt von Christofers eigenem Wirken in den späten Achtzigern, doch er arbeitete auch als Orchestermusiker unter Dirigenten wie Celibidache, Bernstein, Sawallisch und anderen. 1992 erweckte ein gemeinsames Projekt mit Vinko Globokar, dem Erneuerer des Posaunenspiels, Christofer Varners Interesse für neue und improvisierte Musik, und bis heute steht dieses Genre im Vordergrund seines Schaffens. Er hat ganz eigene Spieltechniken entwickelt, und dies nicht nur auf der Posaune, sondern auch auf dem Didgeridoo, der Muschel und dem Dung Chen (tibetisches Tempelhorn), das er manchmal spielt. Daneben hat Christofer Varner ausgiebig mit Live-Elektronik, Samplern und Computern experimentiert. Die vorliegende CD, die in der Himmelfahrtskirche München-Sendling mit ihrer großzügigen Akustik aufgenommen wurde, belegt außerdem Johanna und Christofer Varners Fähigkeit, „natürliche“ Klänge zu ihrem Vorteil zu nutzen. „Amitabha – Aksobhya“, das mit den Fanfarenstößen des Tempelhorns beginnt und endet, stammt aus einem Abschnitt in Christofers Leben, in dem er sich mit dem tibetischen Buddhismus befasste. Amitabha ist der Buddha, der über das westliche Paradies herrscht, das „Reine Land“ namens Sukhavati. Aksobhya, der Unerschütterliche, ist der Herr des östlichen Paradieses, der einen Elefanten reitet und dessen Symbol der Donnerkeil ist. Auch die weltlichen Kontraste zwischen Ost und West einbeziehend, schickte sich Christofer an, einander wesensfremdeste musikalische Elemente zu kombinieren und zu versöhnen, wie ein Bach- Pastiche am Cello, Elemente des Chorals „Christus lag in Todesbanden“ und das reiche, komplexe Oberton-Spektrum des Dung Chen, eines traditionellen Instruments buddhistischer Mönche in Tibet. Apropos Mönche (monks): Thelonious Monk, dessen Einfluss auf Europas Improvisations-Szene zwar nie adäquat recherchiert wurde, die Wirkung jedes späteren Vertreters musikalischer „Freiheit“ jedoch in den Schatten stellen dürfte. Monk ging seinen eigenen Weg, verfuhr mit Rhythmen nach Gutdünken, adelte das Exzentrikertum und zeigte, dass auch „hässliche Schönheit“ noch Schönheit ist und weniger manchmal mehr sein kann. Vor allem aber schrieb er Themen in der unteilbaren Einfachheit des Zen – die von jeglichen Eingriffen unbeschadet bleiben. Die Varners erweisen ihm eine „undogmatische“ Hommage: frei und ungestüm in „Epistrophy“, demütig in „Monk´s Mood“ („Was sollte man mit einer so schönen Melodie auch anderes tun, als sie gut zu spielen?“ ), sphärisch und elegant in „´Round Midnight“... und auch in „Bye Bye – Bye Ya“, das eine Variation auf Monks „Bye Ya“ mit neuem Material aus Christofers Feder verbindet, verneigen sie sich vor dem Meister. Johannas „Peccáta Mundi” ist inspiriert vom Agnus Dei der lateinischen Messe: „Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt....”. Die „Agnus Dei”-Motive erklingen immer wieder, um schließlich in freie Improvisationen zu münden. Ganz im Gegensatz dazu das „Prelude“ von Karl Friedrich Abel, eine Komposition für Gambe, die Johanna für den Musikverlag Varner, den Spezialverlag der Varners mit Schwerpunkt Renaissance und zeitgenössische Musik, für Cello transkribierte. „So ein schönes Stück – zu schade, dass wir es nicht zusammen spielen können“, hatte sie bedauert. Damit gab sie Christofer das Stichwort, der daraufhin einen unverschämt schönen Cantus Firmus schrieb. Im Kontrast dazu „Miparra“, ein traditioneller Grabgesang der australischen Ureinwohner. Christofer zaubert auf dem Didgeridoo nicht nur Dingolaute, sondern alles, was das Obertonspektrum des Instruments bietet, während Johanna ihrem Cello mit unleugbarer Genialität den Sound von Aborigine-Stimmen und Klangstöcken entlockt. Wintereinsamkeit ist die Nummer VI von einer Serie gleichnamiger Stücke. Das Klagen der Muschel wie auch die Glissandi auf dem Cello scheinen den Widerhall von Walgesängen zu transportieren, während der Luftstrom durch die Muschel die Assoziation von Wind auf hoher See genauso wachruft wie den Eindruck, den die unruhigen, abstrakten Frequenzen elekronischen „Weißen Rauschens“ erzeugen. Die Wirkung der traurigen Melodien, denen sich Posaune und Cello zwischen den Improvisationen hingeben, steht dem in nichts nach. Improvisationen, Arrangements, Kompositionen... Alle diese Arbeitstechniken sind Wege zu einem Ziel, sind verschiedene Mittel, Material in Form zu bringen und Ideen neue Gestalt zu verleihen. Die reinen Improvisationen (Sotto voce, Collegno, Mezza voce, Senza voce) schätze ich besonders, denn hier entfaltet sich Johannas und Christofers Erfindungsgabe völlig frei und trägt köstliche Früchte – die auf Notenpapier zu bannen jedoch genau so schwer, wenn nicht unmöglich wäre, wie umgekehrt die streng durchkomponierten Stücke in solch einer sphärischen Form aus dem Nichts zu greifen. Der gemeinsame Nenner ihres Schaffens ist die Ernsthaftigkeit, mit der sie ans Werk gehen – und die ihre Reise durch verschiedenste Klangwelten so planvoll und zielgerichtet erscheinen lässt. Steve Lake (Übersetzung: Heiko Geissler) |
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Yogo Pausch: Percussion Johanna Varner: Cello Christofer Varner: Posaune, Didgeridoo, Shell, Spielzeug Per Anhalter durch die Jazzgeschichte "Three Angels", das sind: Yogo Pausch, Geräuschkünstler, Performer, Schlagzeuger, Johanna Varner, die vielseitige Cellistin, die im Jazz genauso daheim ist wie in Klassik & Avantgarde und der amerikanische Posaunist und Komponist Christofer Varner, ein Musiker mit außergewöhnlichen Spieltechniken und Instrumenten. Unkonventionell, innovativ und inspiriert von Monk, Ellington und eigenen Kompositionen öffnen "Three Angels" die Tore zu neuen Klangwelten. Garantiert ein spannendes Konzert.Pressestimmen: Pressestimme aus Kulmbach: Hier klicken Per Anhalter durch die Jazzgeschichte Drei exzellente Musiker sind ausgezogen, um den Jazz neu zu erfinden: Yogo Pausch, der sein Schlagzeug in eine Big Band verwandelt, Johanna Varner , die durch ihren sinnlichen Celloton und groovige basslines überzeugt und Christofer Varner, ein ekstatischer Posaunist der neuen Avantgarde-Szene. Stehende Ovationen..(Nürnberger Nachrichten 2001) Bilder: |